Aus der Wetzlarer Neuen Zeitung vom 06.07.11

Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten ist sie Thema, die Neugestaltung des Ehringshäuser Ortskerns. Am Montagabend haben sich der Haupt- und Finanzausschuss sowie der Bau- und Umweltausschuss in gemeinsamer Sitzung in der Volkshalle mit der "neuen Mitte" befasst.

Eigentlich ging es nur darum, die Entwicklungsvereinbarung mit den Stadtplanern von "KuBuS" aus Wetzlar abzusegnen. Sie begleiten das Projekt "Ortskerngestaltung" von Anfang an und möchten es gerne auch zu einem guten Ende bringen. So soll‘s sein, empfehlen die Ausschüsse der Gemeindevertretung für die nächste Sitzung am 7. Juli.

Zuvor hatte Architekt Wolfgang Kunz den Stand der Dinge erläutert. Er stellte zwei grobe Planungen vor.

Kern ist ein "zentraler Versorgungsstandort", der an der Bahnhofstraße, etwa gegenüber der Sparkasse, entstehen soll. Es geht um einen Lebensmittelmarkt mit etwa 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Eine Variante sieht vor, dass dieser eingeschossige Bau direkt an der Bahnhofstraße steht, er würde dann größer ausfallen, doch für einen solchen "Flatschen" sah Kunz kaum Akzeptanz.

Bleibt die Alternative: Der Markt rückt nach hinten und wird zur Bahnhofstraße hin gewissermaßen hinter einem davor gebauten zweigeschossigen Haus versteckt.
Dieses Gebäude bietet zum einen im Erdgeschoss Platz für fünf Läden und Shops. Hierhin, so Kunz, könnten bestehende Geschäfte aus dem Bereich umziehen oder auch sich neue ansiedeln. In den oberen beiden Etagen wäre sowohl Platz für Praxen und Büros als auch für bis zu zehn Wohnungen mit je 75 Quadratmetern.

In dem rot markierten Bereich an der Bahnhofstraße soll das neue Zentrum entstehen. (Foto: Regel / WNZ)
In dem rot markierten Bereich an der Bahnhofstraße soll das neue Zentrum entstehen.
(Foto: Regel / WNZ)

Wer einkaufen fährt, will auch parken. Das könnten die Kunden neben dem ebenerdigen Markt auf dem noch bebauten Areal Bahnhofstraße/Nelkenstraße (Bullenstall) auf 65 bequemen Stellplätzen (2,50 Meter breit und 5 Meter tief).

Kunz machte klar, dass dies eine noch grobe Planung ist. Die Gemeinde müsse ihre Ziele definieren, was die Ortskerngestaltung bringen soll oder wie gegebenenfalls die Fassaden aussehen sollen. Im November, so der Planer, sei man vermutlich ein gutes Stück weiter. Und falls alles klappt, könnten Mitte/Ende 2013 Mietverträge geschlossen werden.

Zwar nicht Gegenstand aktueller Beratung, aber als Perspektive schon in den Raum gestellt, wurde dies: Südlich des "Versorgungszentrums", das sich um das Grundstück des ehemaligen Bullenstalls - die Gemeinde bringt mit dem Areal rund 1500 Quadratmeter ein - konzentriert, könnte ein Seniorenwohn- und Pflegeheim entstehen. Keine neue Idee zwar, aber eine, von der man lange nichts gehört hat, so ein Zwischenrufer.
Ein Markt für Lebensmittel, Läden, Praxen und Wohnungen sollen entstehen

Zudem: Die Bahnhofstraße soll umgestaltet und städtebaulich stärker in Einklang mit der Bebauung und den geplanten Vorhaben gebracht werden. Neben der Optimierung der Verkehrsbedingungen (einschließlich Parken) werden bessere und sicherere Verbindungen für Radfahrer und Fußgänger ins Auge gefasst.

Vorhaben, die sich mit den Ergebnissen einer Bürgerbefragung im Vorfeld decken. Nachholbedarf sahen die Befragten in den Bereichen "Einkaufsmöglichkeiten", "Verkehrsberuhigte Zone", "Freizeitangebote", "breitere Gehwege" und "Fachärzte". Sie möchten ein "echtes" Zentrum, mehr Grünflächen im Ortskern, mehr Parkmöglichkeiten, den Ausbau von Rad-, Wander- und Inlinerwegen und bei all dem die Einbindung interessierter Bürger. Was auch im Interesse von Gemeinde und Planern liegt, so Kunz und Bürgermeister Jürgen Mock (SPD) übereinstimmend. Die Ehringshäuser wollen und sollen gefragt werden.

Mock warb für das Konzept, es sei "eine historische Chance für den Ortskern". Um diese nutzen zu können, müssen sechs Anlieger ihre Grundstücke und Häuser verkaufen. Bislang, so war am Rande zu hören, hat keiner Nein gesagt. Bis Herbst, so Mock, soll klar sein, ob man alle Grundstücke hat und was sie kosten. Den Wert soll das Ortsgericht feststellen. Mock setzt auf faire Preise und hofft, dass niemand pokert.

Die Aussprache machte auch dies deutlich: Das Vorhaben "Markt" samt Grunderwerb und Abriss ist teurer als ein Neubau auf der grünen Wiese. Aber, so Kunz, es gebe Investoren, die wollten in die Ortslage - für Ehringshausen gebe es schon einen. Und die Gemeinde wird mit diesem Großvorhaben nichts verdienen, eher im Gegenteil. Gegebenenfalls müsse man in einer ersten Zwischenbilanz, wenn die Kosten auf dem Tisch liegen, besprechen, so Kunz, wie es weitergehen soll mit der Ortskerngestaltung.

Nachtrag: In der Sitzung der Gemeindevertretung am 7. Juli wurde die Kooperationsvereinbarung mit KuBus einstimmig angenommen. Die Gemeindevertretung hat mit diesem Beschluss die Konkretisierung des Projekts Ortskerngestaltung auf den Weg gebracht.

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung vom 06.07.11 / mittelhessen.de